Geschichte der Schrift – Teil 4: Moderne Schriften und Typografie

Von den klassizistischen Antiquas über die serifenlosen Schriften bis zur digitalen Typografie – die Entwicklung der Schrift vom 18. Jahrhundert bis heute.

Mit dem Buchdruck war die technische Grundlage für die moderne Schriftentwicklung gelegt. Ab dem 18. Jahrhundert veränderte sich das Schriftbild erneut grundlegend – und mit der Digitalisierung im 20. und 21. Jahrhundert wurde Schrift endgültig zu dem Medium, das wir heute täglich nutzen.

Klassizismus und die neuen Antiquas

Im 18. Jahrhundert entstanden Schriften, die sich klar von den älteren Renaissance-Antiquas unterschieden. Besonders einflussreich waren:

  • John Baskerville (England)
  • Giambattista Bodoni (Italien)
  • Firmin Didot (Frankreich)

Illustration klassizistischer Antiquas Illustration klassizistischer Antiquas (Baskerville, Bodoni, Didot)

Diese sogenannten klassizistischen Antiquas zeichnen sich durch starken Kontrast zwischen Haar- und Schattenstrichen, senkrechte Achsen und feine, oft unbracketed Serifen aus. Sie wirkten eleganter und moderner als ihre Vorgänger und prägen bis heute viele Bücher und Magazine.

Das Zeitalter der serifenlosen Schriften

Im 19. Jahrhundert kamen die ersten serifenlosen Schriften (Sans-Serif) auf. Zunächst wurden sie vor allem für Überschriften und Werbeanzeigen verwendet. Im 20. Jahrhundert entwickelten sie sich zu den beherrschenden Schriften der Moderne.

Wichtige Meilensteine waren:

  • Akzidenz-Grotesk (Ende 19. Jahrhundert)
  • Futura (Paul Renner, 1927)
  • Helvetica (Max Miedinger, 1957)
  • Univers (Adrian Frutiger, 1957)

Illustration der Schrift Helvetica Illustration der Schrift Helvetica

Besonders Helvetica wurde zu einer der einflussreichsten Schriften des 20. Jahrhunderts und steht bis heute stellvertretend für klare, neutrale und funktionale Typografie.

Industrialisierung und neue Satztechniken

Mit der Industrialisierung stieg der Bedarf an vielfältigen und auffälligen Schriften enorm. Gleichzeitig veränderten sich die Satztechniken:

  • Vom Handsatz zum Maschinensatz (Linotype, Monotype)
  • Später zum Fotosatz
  • Und schließlich zum digitalen Satz

Illustration der Entwicklung der Satztechniken Illustration der Entwicklung vom Handsatz über den Maschinensatz und Fotosatz bis zum digitalen Satz

Jede dieser Techniken beeinflusste, welche Schriften möglich und wirtschaftlich sinnvoll waren.

Die digitale Revolution

Ab den 1980er-Jahren veränderte die Digitalisierung die Schriftwelt von Grund auf. Wichtige Schritte waren:

  • PostScript (Adobe) und die Möglichkeit, Schriften auf dem Computer zu erzeugen und zu nutzen
  • TrueType und später OpenType
  • Die Verbreitung von Desktop-Publishing
  • Die Entwicklung von Webfonts, die Schriften direkt im Browser darstellbar machten

Illustration digitaler Schrifttechnologien Illustration der digitalen Schrifttechnologien: PostScript, TrueType/OpenType und Webfonts

Heute stehen uns Tausende von Schriften digital zur Verfügung. Gleichzeitig sind Fragen der Lizenzierung, der Qualität und des professionellen Font-Managements wichtiger denn je – genau die Themen, mit denen sich FontFlux beschäftigt.

Schrift heute

Die aktuelle Typografie ist geprägt von:

  • einer enormen Vielfalt an Schriftarten
  • Variable Fonts, die mehrere Schnitte in einer Datei vereinen
  • hohen Anforderungen an die Lesbarkeit auf Bildschirmen
  • der Notwendigkeit, Schriften rechtssicher und effizient zu verwalten

Illustration von Variable Fonts Illustration des Konzepts von Variable Fonts

Die Geschichte der Schrift ist damit nicht zu Ende. Sie geht weiter – nur eben digital, vernetzt und in einem Tempo, das die Schreiber der Keilschrift oder die Mönche des Mittelalters sich nicht hätten vorstellen können.

Schluss

Von den ersten Verwaltungszeichen in Mesopotamien über das Alphabet, die mittelalterlichen Handschriften und den Buchdruck bis zu den Schriften auf unseren Bildschirmen spannt sich ein weiter Bogen. Schrift war und ist nie nur Technik – sie ist Ausdruck von Kultur, Macht, Wirtschaft und Kommunikation.

Wer Schriften versteht und bewusst einsetzt, arbeitet mit einem der ältesten und zugleich modernsten Werkzeuge der Menschheit.


Quellen

  • Meggs, Philip B.: A History of Graphic Design.
  • Kinross, Robin: Modern Typography.
  • Bringhurst, Robert: The Elements of Typographic Style.
  • Standardwerke zur Geschichte der Schrift und Typografie.