Maßeinheiten in der Typografie – Point, Pica, dpi und Co.

Die wichtigsten Maßeinheiten der Typografie erklärt: Point, Pica, Cicero, dpi, em und ihre historische sowie praktische Bedeutung.

In der Typografie werden Größen anders gemessen als im Alltag. Statt Millimeter oder Zentimeter dominieren Einheiten wie Point, Pica oder em. Viele dieser Maße stammen aus der Zeit des Bleisatzes und haben sich bis in die digitale Gegenwart erhalten – teilweise mit angepasster Definition.

Vom Bleisatz zu digitalen Maßeinheiten Illustration: Traditionelle Satzwerkzeuge und moderne digitale Maßangaben

Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Maßeinheiten, ihren Hintergrund und ihren heutigen Zweck.

Point (pt)

Der Point (Punkt) ist die zentrale Einheit der Typografie.

Herkunft

Bereits im 18. Jahrhundert wurden Systeme entwickelt, um Schriftgrößen zu standardisieren. Besonders einflussreich waren:

  • der Didot-Punkt (Frankreich, ca. 0,376 mm)
  • der angloamerikanische Point (später auf 1/72 Zoll festgelegt)

Im digitalen Satz hat sich der sogenannte DTP-Point durchgesetzt:

1 Point = 1/72 Zoll ≈ 0,3527 mm

Verwendung

Schriftgrößen werden bis heute in Points angegeben (z. B. 10 pt, 12 pt, 24 pt). Auch Zeilenabstände (Leading) und viele andere typografische Maße basieren auf dem Point.

Pica

Die Pica ist eine größere Einheit, die eng mit dem Point verbunden ist.

1 Pica = 12 Points

Point und Pica im Vergleich Illustration: Zusammenhang von Point und Pica

Hintergrund

Im Bleisatz und in der klassischen Setzerei war die Pica eine praktische Maßeinheit für Spaltenbreiten, Einzüge und Satzspiegel. Viele Lineale und Satzwerkzeuge waren in Pica und Points unterteilt.

Verwendung heute

In Layout-Programmen (InDesign, Affinity Publisher usw.) werden Breiten und Abstände häufig wahlweise in Pica, Points oder Millimetern angegeben. Die Pica bleibt vor allem in der angloamerikanischen Typografie präsent.

Cicero

In der kontinentaleuropäischen Tradition entspricht dem Pica-Konzept der Cicero.

1 Cicero = 12 Didot-Punkte ≈ 4,513 mm

Der Cicero wurde vor allem im deutschsprachigen und französischen Raum verwendet. Mit der Durchsetzung des DTP-Points hat er an praktischer Bedeutung verloren, taucht aber in älteren Fachtexten noch auf.

Weitere historische Schriftgrade

Früher hatten viele Schriftgrößen eigene Namen statt Zahlenwerte. Beispiele:

Name Ungefähre Größe
Nonplusultra ca. 2–4 pt
Petit ca. 8 pt
Bourgeois ca. 9 pt
Corpus / Garmond ca. 10 pt
Cicero 12 pt (Didot)
Mittel ca. 14 pt
Tertia ca. 16 pt

Diese Bezeichnungen sind heute weitgehend verschwunden, begegnen einem aber noch in der Literatur zur Schriftgeschichte.

dpi und ppi

Mit dem Übergang in die digitale Welt kamen neue Einheiten hinzu.

dpi (dots per inch)

Ursprünglich eine Maßeinheit für die Auflösung von Druckern und Belichtern: Wie viele Druckpunkte pro Zoll gesetzt werden können.

ppi (pixels per inch)

Bezieht sich auf Bildschirme und digitale Bilder: Wie viele Pixel pro Zoll dargestellt werden.

Im Alltag werden die Begriffe oft vermischt. Wichtig ist:

  • dpi → eher druckbezogen
  • ppi → eher bildschirm- und bildbezogen

Für die Darstellung von Schriften auf Bildschirmen ist die Pixelauflösung des Displays entscheidend, nicht die klassische Point-Größe allein.

Relative Einheiten im Web: em und rem

Im Webdesign spielen absolute Einheiten wie Point eine geringere Rolle. Stattdessen werden relative Maße verwendet:

dpi, ppi, em und rem Illustration: Unterschied zwischen dpi/ppi und den relativen Web-Einheiten em und rem

em

1 em entspricht der aktuellen Schriftgröße des Elements.
Wird die Schriftgröße geändert, skalieren auch alle in em angegebenen Abstände mit.

rem

1 rem bezieht sich auf die Schriftgröße des Root-Elements (html).
Das macht rem vorhersehbarer und wird heute in den meisten Fällen gegenüber em bevorzugt.

Diese relativen Einheiten ermöglichen barrierearme und flexible Layouts.

Übersicht der wichtigsten Einheiten

Einheit Ungefährer Wert Typischer Einsatz
Point (pt) 1/72 Zoll ≈ 0,3527 mm Schriftgröße, Zeilenabstand
Pica 12 Points Spaltenbreiten, Layoutmaße
Cicero 12 Didot-Punkte ≈ 4,513 mm Historisch (Europa)
dpi dots per inch Druckauflösung
ppi pixels per inch Bildschirm- / Bildauflösung
em relative zur Schriftgröße Web-Layout
rem relative zur Root-Schriftgröße Web-Layout

Praxis-Hinweis

  • Print: Point und Millimeter sind die wichtigsten Einheiten. Pica kann hilfreich sein, ist aber nicht zwingend.
  • Screen: Pixel, rem und em sind entscheidender als absolute Point-Angaben.
  • Mischbetrieb (z. B. PDF für Print und Screen): Immer prüfen, wie die verwendete Software die Einheiten umrechnet.

Wer die Herkunft und den Zweck der verschiedenen Maßeinheiten kennt, kann Größenangaben in Layout-Programmen und im Code besser einordnen und gezielter einsetzen.


Quellen

  • Bringhurst, Robert: The Elements of Typographic Style
  • Forssman, Friedrich / de Jong, Ralf: Detailtypografie
  • Fachliteratur zur Geschichte des Didot- und DTP-Punkts
  • Spezifikationen zu CSS-Einheiten (em, rem)