PostScript-Schriften – Die Technologie, die den digitalen Satz ermöglicht hat
Wie PostScript und Type-1-Schriften in den 1980er-Jahren den professionellen digitalen Satz und die Desktop-Publishing-Revolution möglich gemacht haben.

Bevor in den 1980er-Jahren PostScript und die dazugehörigen Schriften kamen, war professioneller Satz weitgehend an teure, spezialisierte Systeme gebunden. Schriften existierten oft als Bitmap-Versionen für feste Größen, und das, was man auf dem Bildschirm sah, entsprach selten dem späteren Druckbild.
PostScript und die Type-1-Schriften änderten das grundlegend. Sie legten den technischen Grundstein dafür, dass digital erstellte Layouts auflösungsunabhängig und in hoher Qualität ausgegeben werden konnten.
Illustration: Vektorielle Schriftformen, Ausgabegeräte und die Idee der auflösungsunabhängigen Darstellung
Was ist PostScript?
PostScript ist eine Seitenbeschreibungssprache, die Adobe 1984 vorstellte. Entwickelt wurde sie unter der Leitung von John Warnock und Chuck Geschke. Im Unterschied zu einfachen Druckeranweisungen beschreibt PostScript eine ganze Seite als Programm: Texte, Grafiken und Bilder werden als mathematische Objekte definiert.
Der entscheidende Vorteil: Dieselbe Beschreibung kann auf Geräten mit sehr unterschiedlicher Auflösung ausgegeben werden – vom 300-dpi-Laserdrucker bis zum hochauflösenden Imagesetter. Die Seite bleibt dabei in ihrer Struktur und Proportion gleich.
Type-1-Schriften: Outlines statt Bitmaps
Zusammen mit PostScript entwickelte Adobe ein neues Schriftformat: die Type-1-Schriften (auch PostScript Type 1, PS1 oder T1 genannt).
Illustration: Skalierbare Vektorumrisse und das Prinzip des Hintings
Statt fester Pixelbilder beschreiben Type-1-Schriften die Buchstabenformen als vektorielle Umrisse (Outlines). Die Kurven basieren auf kubischen Bézier-Kurven. Dadurch lassen sich die Zeichen auf jede beliebige Größe skalieren, ohne an Schärfe zu verlieren.
Wichtige Eigenschaften
- Auflösungsunabhängigkeit: Die Schrift wird erst beim Ausgeben in die Auflösung des Zielgeräts umgerechnet.
- Hinting: Zusätzliche Informationen steuern, wie Stämme, Bögen und Überhänge bei kleinen Größen oder niedriger Auflösung an das Pixelraster angepasst werden.
- Kompakte Kodierung: Type 1 verwendet einen eingeschränkten, optimierten Ausschnitt der PostScript-Sprache.
Damit war es erstmals praktikabel, eine Schrift einmal zu digitalisieren und sie zuverlässig in ganz unterschiedlichen Größen und auf verschiedenen Ausgabegeräten einzusetzen.
Type 1 und Type 3
Adobe unterschied früh zwischen verschiedenen Font-Typen:
| Typ | Merkmale | Hinweis |
|---|---|---|
| Type 1 | Eingeschränkter PostScript-Umfang, standardisiertes Hinting, optimiert | Das professionelle Standardformat |
| Type 3 | Voller PostScript-Sprachumfang, flexibler, aber ohne standardisiertes Hinting | Eher für spezielle oder experimentelle Zwecke |
Type 1 setzte sich als das Format für den professionellen Einsatz durch. Die Spezifikation wurde von Adobe zunächst zurückgehalten und erst 1990 veröffentlicht. Bis dahin blieben hochwertige Type-1-Schriften eng an Adobes eigene Technologie und Lizenzpolitik gebunden.
Die Desktop-Publishing-Revolution
PostScript-Schriften entfalteten ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit weiteren Komponenten:
- dem Apple Macintosh mit grafischer Oberfläche
- dem Apple LaserWriter (1985), der einen PostScript-Interpreter und eingebaute Type-1-Schriften mitbrachte
- Aldus PageMaker, dem ersten weit verbreiteten Layoutprogramm, das PostScript ansteuern konnte
Diese Kombination ermöglichte zum ersten Mal in größerem Maßstab das Prinzip WYSIWYG (What You See Is What You Get): Das Layout auf dem Bildschirm entsprach weitgehend dem späteren Druck. Professionelle Typografie war damit nicht mehr ausschließlich den klassischen Satzbetrieben vorbehalten.
Illustration: Die Kombination aus Computer, Laserdrucker und Layoutsoftware
In den LaserWriter-Geräten waren von Anfang an Kernschriften wie Times und Helvetica enthalten. Adobe baute parallel die Adobe Type Library auf und lizenzierte zahlreiche klassische und neue Schriften für das neue Format.
Technische Realität im Alltag
In der Praxis bestanden Type-1-Schriften oft aus mehreren Dateien: einer Datei mit den Outline-Daten und einer mit den Metriken (Laufweiten, Kerning). Auf dem Macintosh kamen zusätzlich bitmap-basierte Screen-Fonts hinzu, bis Programme wie Adobe Type Manager (ATM) die Bildschirmdarstellung der Outlines verbesserten.
Trotz dieser Komplexität dominierten PostScript Type-1-Schriften über zwei Jahrzehnte den professionellen Publishing-Bereich – von der Zeitschriftengestaltung bis zur hochwertigen Buchproduktion.
Vom Alleinstellungsmerkmal zum Erbe
Ab den frühen 1990er-Jahren entstand mit TrueType (Apple und Microsoft) eine Konkurrenztechnologie. Später einigten sich die großen Hersteller auf OpenType, ein Format, das sowohl PostScript-Outlines (CFF) als auch TrueType-Outlines aufnehmen kann und deutlich erweiterte typografische Möglichkeiten bietet.
OpenType wurde zum Nachfolger. Type-1-Schriften blieben jedoch noch lange im Einsatz – in Archiven, in bestehenden Dokumenten und in großen Schriftbibliotheken, die Unternehmen und Designer über Jahre aufgebaut hatten.
Fazit
PostScript und die Type-1-Schriften haben den Übergang vom fotomechanischen und metallischen Satz zum digitalen Publishing technisch erst möglich und wirtschaftlich breit zugänglich gemacht. Sie brachten skalierbare, hochwertige Schriften auf den Schreibtisch und koppelten Bildschirm und Druckausgabe auf eine bis dahin nicht erreichte Weise.
Ihr direkter Nachfolger ist OpenType. Die historischen und praktischen Folgen des schrittweisen Rückzugs der Type-1-Unterstützung – besonders für ältere, teuer erworbene Schriftbibliotheken – sind ein eigenes Thema und Gegenstand des nächsten Artikels.
Quellen
- Adobe: Dokumentation zu PostScript und Type-1-Fonts
- Fachbeiträge zur Geschichte des Desktop Publishing (Adobe, Aldus, Apple LaserWriter)
- Darstellungen zu Type 1, Type 3 und der späteren Entwicklung hin zu TrueType und OpenType
- Technische Überblicke zu Hinting und Outline-Fonts