Schriftdateien und ihre Endungen – Bedeutung, Hintergrund und Verbreitung
TTF, OTF, WOFF2, Multiple Master und Co.: Was die gängigen Schriftdateitypen bedeuten, woher sie kommen und welche heute noch relevant sind.

Wer Schriften installiert, lizenziert oder fürs Web einbindet, stößt unweigerlich auf Dateiendungen wie .ttf, .otf oder .woff2. Sie sind mehr als technische Kürzel: Sie verraten etwas über das Format, den historischen Kontext und den vorgesehenen Einsatzzweck.
Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Endungen ein – mit Blick auf Bedeutung, Hintergrund und heutige Verbreitung.
Warum Dateiendungen bei Schriften wichtig sind
Eine Schriftdatei enthält nicht nur die Formen der Zeichen (Glyphen), sondern auch Metadaten, Kennungsinformationen und oft Hinweise für die Darstellung auf Bildschirm und im Druck. Das Format bestimmt unter anderem:
- welche Anwendungen die Datei öffnen und nutzen können
- ob die Schrift für Desktop, Web oder beides gedacht ist
- welche technischen Möglichkeiten (z. B. OpenType-Features, Variable Fonts) enthalten sind
Die Endung ist dabei nur der äußere Hinweis. Entscheidend ist der innere Aufbau – dennoch orientieren sich Anwender und Systeme stark an der Dateiendung.
TrueType: .ttf
Bedeutung: TrueType-Schrift, ursprünglich von Apple entwickelt und später von Microsoft stark verbreitet.
Hintergrund: TrueType entstand Ende der 1980er Jahre als Alternative zu PostScript-Schriften von Adobe. Die Zeichenkonturen werden mit quadratic Bézier-Kurven beschrieben. TrueType brachte außerdem ein eigenes Hinting-Konzept mit, um die Darstellung auf Bildschirmen mit geringer Auflösung zu verbessern.
Verbreitung heute: Sehr hoch. .ttf ist auf Windows, macOS und Linux weit verbreitet, wird von praktisch allen Desktop-Anwendungen verstanden und ist auch als Basis vieler Variable Fonts üblich. Fürs Web wird TrueType oft nach WOFF2 konvertiert, kommt aber gelegentlich noch direkt zum Einsatz.
OpenType (CFF): .otf
Bedeutung: OpenType-Schrift, häufig mit PostScript-artigen (CFF-)Outlines.
Hintergrund: OpenType ist ein gemeinsames Format von Adobe und Microsoft (ab Ende der 1990er Jahre). Es vereinheitlicht und erweitert die Möglichkeiten von TrueType und PostScript Type 1. Eine .otf-Datei nutzt oft CFF-Konturen (Compact Font Format); OpenType-Schriften können aber auch TrueType-Outlines enthalten und dann als .ttf vorliegen.
OpenType brachte vor allem Layout-Features in die Breite: Ligaturen, Alternativzeichen, Kapitälchen, kontextuelle Ersetzungen und vieles mehr – gesteuert über Features wie liga, smcp oder ss01.
Links ein klarer, reduzierter Formgedanke – rechts angedeutete OpenType-Vielfalt (Features, Alternativen).
Verbreitung heute: Hoch, vor allem im professionellen Gestaltungs- und Druckumfeld. Viele Foundry-Schriften werden als OTF ausgeliefert. Fürs Web wiederum meist als WOFF2.
Webfonts: .woff und .woff2
Bedeutung: Für das Web optimierte Containerformate.
Hintergrund:
- WOFF (Web Open Font Format) wurde entwickelt, um Schriften effizienter und mit Metadaten im Browser auszuliefern.
- WOFF2 ist der Nachfolger mit deutlich besserer Kompression (Brotli).
Beide können TrueType- oder CFF-Daten enthalten. Der Browser entpackt sie und nutzt den enthaltenen Font.
Verbreitung heute:
- WOFF2 ist der aktuelle Standard für Webfonts und sollte erste Wahl sein.
- WOFF gilt als älterer Fallback, wird aber immer seltener benötigt.
Desktop-Installation von WOFF/WOFF2 ist nicht der vorgesehene Weg; dafür sind TTF/OTF gedacht.
WOFF2 als komprimierter Container – Auslieferung an den Browser.
Collections: .ttc und .otc
Bedeutung: Schrift-Sammlungen (TrueType Collection / OpenType Collection).
Hintergrund: In einer Datei stecken mehrere Schriftstile oder verwandte Schnitte, die gemeinsame Tabellen nutzen. Klassisches Beispiel: eine Systemdatei, die Regular, Bold, Italic usw. bündelt.
Verbreitung heute: Vor allem bei Betriebssystem-Schriften und großen Familien. Für einzelne Lizenzkäufe und Webfonts weniger üblich; dort dominieren Einzeldateien oder Variable Fonts.
Historische und seltener gewordene Formate
PostScript Type 1: .pfb, .pfm, .afm
Lange der Profi-Standard im Druck. Type-1-Schriften bestanden oft aus mehreren Dateien (Binärdaten, Metriken). Seit den 2010er Jahren wurden sie schrittweise abgelöst; Adobe stellte die Type-1-Unterstützung in den Creative-Cloud-Apps ein. Heute praktisch nur noch Altbestand.
Multiple Master: .mmm (mit Type-1-.pfb)
Multiple Master war eine Erweiterung des Type-1-Formats von Adobe (ab 1991). Statt fester Einzelschnitte enthielt eine MM-Schrift mehrere Master, zwischen denen sich entlang von Achsen (z. B. Gewicht oder Breite) Zwischenstufen erzeugen ließen – konzeptionell ein Vorläufer der Variable Fonts.
Unter Windows bestanden MM-Schriften typischerweise aus einer .pfb-Datei (Outlines) und einer .mmm-Datei (Multiple-Master-Metriken). Zusätzlich kamen Metrik- und Steuerdateien (u. a. im AFM/AMFM-Umfeld) vor.
Links diskrete Master, rechts der Übergang zur kontinuierlichen Achse der Variable Fonts.
Verbreitung heute: Historisch. Adobe stellte Verkauf und technischen Support ein; aktuelle Betriebssysteme und Layout-Programme unterstützen MM-Type-1 praktisch nicht mehr. Die Idee der stufenlosen Achsen lebt in OpenType Variable Fonts fort. In PDF-Workflows tauchen MM-Techniken vereinzelt noch als interne Ersatzschriften auf (z. B. in Acrobat).
Embedded OpenType: .eot
Von Microsoft für den Internet Explorer entwickelt. Legacy – für moderne Websites irrelevant.
SVG-Fonts: .svg
Früher vereinzelt fürs Web genutzt. Durch WOFF/WOFF2 und bessere Browser-Unterstützung von OpenType überholt. Kaum noch relevant.
macOS Data-Fork-Fonts: .dfont
Älteres macOS-Format. Weicht modernen TTF/OTF-Installationen. Rückläufig / Altbestand.
Windows Bitmap-Fonts: .fon
Raster-Schriften für sehr alte Windows-Oberflächen. Nur noch historisch interessant.
Variable Fonts und die Endung
Variable Fonts sind kein eigenes Dateiformat mit fester Endung. Sie sind OpenType-Schriften mit Variations-Tabellen und erscheinen deshalb typischerweise als:
.ttfoder.otf(Desktop).woff2(Web)
Eine Endung wie .vf ist kein allgemeiner Standard, auch wenn sie in Erklärungen oder Mockups gelegentlich auftaucht.
Kurzer Überblick zur heutigen Praxis
| Endung | Typischer Einsatz | Relevanz heute |
|---|---|---|
.ttf |
Desktop, oft auch Variable Fonts | Sehr hoch |
.otf |
Desktop, Profi-Satz | Hoch |
.woff2 |
Web | Sehr hoch (Standard) |
.woff |
Web (älter) | Gering / Fallback |
.ttc / .otc |
System, große Familien | Mittel (systemnah) |
.pfb / .pfm / .afm |
PostScript Type 1 | Sehr gering (Altbestand) |
.mmm (+ .pfb) |
Multiple Master (Type-1-Erweiterung) | Historisch / Altbestand |
.eot, SVG-Font, .fon, .dfont |
Legacy / Spezialfälle | Sehr gering |
Verbreitung in Zahlen – was sich belegen lässt
Prozentangaben zur Nutzung von Schriftdateitypen sind nur sinnvoll, wenn klar ist, was gemessen wurde. Für Desktop-Arbeitsplätze in Agenturen und Verlagen fehlen großflächige, unabhängige Erhebungen nach Dateiendung. Für das Web dagegen liegen belastbare Crawl-Daten vor.
Web (gemessene Font-Requests)
Nach dem HTTP Archive Web Almanac 2025 entfallen von den erfassten Schriftdatei-Requests ungefähr:
| Format | Anteil (ca.) | Einordnung |
|---|---|---|
| WOFF2 | 65 % | klarer Standard für Webfonts |
| WOFF | 16 % | älterer Fallback, rückläufig |
| TTF | 7 % | oft ungepackte oder nachlässig ausgelieferte Dateien |
| übrige / unspezifisch | ca. 12 % | u. a. generische MIME-Typen, Randformate |
WOFF und WOFF2 zusammen machen damit rund vier Fünftel der ausgelieferten Webfont-Dateien aus. OTF als Web-Auslieferung spielt in diesen Messungen praktisch keine Rolle – professionelle Webfonts werden fast immer als WOFF2 (selten WOFF) bereitgestellt.
Desktop und klassische Kreativproduktion
Hier dominieren in der Praxis OpenType-Schriften – sichtbar als .otf oder als .ttf (OpenType mit TrueType-Outlines). Eine belastbare Aufteilung „X % OTF, Y % TTF“ für die gesamte Branche ist öffentlich nicht belegt.
Näherungsweise und aus der Beobachtung von Foundry-Auslieferung, Adobe Fonts, Monotype und typischen Agentur-Workflows:
| Bereich | Einschätzung |
|---|---|
| Neue Profi-Schriften (Desktop) | ganz überwiegend OpenType (.otf / .ttf) |
Type 1 (.pfb u. a.) |
nahe 0 % bei Neuanschaffung; nur Altbestand |
Multiple Master (.mmm) |
0 % im normalen Produktionsalltag |
| WOFF/WOFF2 auf dem Desktop | nicht der vorgesehene Installationsweg |
| Variable Fonts | wachsend, aber als OpenType-Dateien (.ttf/.otf/.woff2), nicht als eigene Endung |
Kurz: In der kreativen Industrie ist die relevante Grenze heute weniger „TTF oder OTF“, sondern Desktop-OpenType vs. Web-WOFF2 – plus die Frage, ob die Lizenz Desktop, Web oder beides abdeckt.
Was für die Praxis zählt
- Desktop-Arbeit: TTF und OTF sind die Normalfälle; der Unterschied liegt oft in Outlines und mitgelieferten Features, nicht in der „Qualität“ der Endung allein.
- Web: WOFF2 bevorzugen; ältere Formate nur noch bei sehr speziellen Anforderungen.
- Lizenzen: Das Nutzungsrecht (Desktop, Web, App, Server) steht in der Lizenz – die Dateiendung ersetzt das nicht.
- Schriftenmanagement: Gute Manager erkennen Formate, aktivieren Schnitte und helfen bei Überblick und Compliance – unabhängig davon, ob die Datei
.ttfoder.otfheißt.
Fazit
Wer Dateiendungen einordnen kann, erkennt schneller, ob eine Datei für Installation, Web oder Altbestand gedacht ist. In Kombination mit Lizenzbedingungen und einem klaren Schriftenmanagement wird daraus ein belastbarer Arbeitsablauf – von der Beschaffung bis zur stabilen Nutzung in Layout und Browser.
Quellen
- Microsoft Typography: OpenType specification; TrueType reference
- Apple Developer: TrueType and font documentation
- W3C: WOFF and WOFF2 specifications
- Adobe: OpenType, CFF; Type 1 Font Format; Multiple Master Extensions to the Adobe Type 1 Font Format; End of Type 1 support (Creative Cloud)
- Adobe Type Manager / technische Hinweise zu
.mmmund MM-Metriken - MDN Web Docs: Web fonts (WOFF, WOFF2)
- HTTP Archive Web Almanac 2025 (Fonts): Anteil der Font-Formate an den Requests (WOFF2, WOFF, TTF)
- Standardwerke und Foundry-Dokumentationen zu Font-Formaten und Variable Fonts