Schriftenhersteller – Teil 2: Die großen Player

Monotype, Adobe Fonts und Google Fonts – die großen Akteure der heutigen Schriftbranche und was sie für Anwender bedeuten.

Nach dem Überblick über die Entwicklung der Schriftenhersteller blicken wir in diesem Teil auf die großen Player der Branche. Wenige Unternehmen und Plattformen dominieren heute einen erheblichen Teil des Marktes – mit weitreichenden Folgen für Designer, Unternehmen und die Verfügbarkeit von Schriften.

Monotype

Monotype ist derzeit der größte und einflussreichste kommerzielle Schriftenanbieter. Das Unternehmen hat im Laufe der Jahre zahlreiche bekannte Foundries und Schriftbibliotheken übernommen, darunter Linotype, FontFont, Bitstream, Ascender und viele weitere.

Illustration zu Monotype Illustration: Monotype als großer Schriftenanbieter

Dadurch verfügt Monotype über ein enormes Portfolio historischer und zeitgenössischer Schriften. Viele klassische Schriften, die ursprünglich von unabhängigen Gießereien stammten, werden heute über Monotype lizenziert.

Für Anwender bedeutet das:

  • Zugriff auf eine sehr große Schriftbibliothek
  • oft professionelle Lizenzmodelle für Unternehmen
  • gleichzeitig eine starke Konzentration von Rechten bei einem einzigen Anbieter

Adobe Fonts

Adobe Fonts (früher Typekit) ist eng in das Adobe-Ökosystem integriert. Wer ein Creative-Cloud-Abo hat, kann über Adobe Fonts eine große Anzahl von Schriften nutzen – sowohl für Desktop-Anwendungen als auch für Webprojekte.

Illustration zu Adobe Fonts Illustration: Adobe Fonts im Einsatz

Adobe Fonts unterscheidet sich von klassischen Foundries dadurch, dass der Zugang über das Abo-Modell läuft. Viele Schriften stammen von Partner-Foundries und werden über die Adobe-Plattform vertrieben.

Vorteile für Nutzer:

  • einfache Einbindung in Adobe-Programme
  • unkomplizierte Webfont-Nutzung
  • regelmäßige Erweiterung der Bibliothek

Google Fonts

Google Fonts hat die Webtypografie nachhaltig verändert. Die Plattform bietet eine sehr große Auswahl an Schriften, die kostenlos und relativ einfach in Websites eingebunden werden können.

Illustration zu Google Fonts Illustration: Google Fonts und Webtypografie

Google selbst entwirft nur einen Teil der Schriften. Der Großteil stammt von unabhängigen Designern und Foundries, die ihre Schriften unter freien Lizenzen (meist SIL Open Font License) über Google Fonts veröffentlichen.

Die Stärken von Google Fonts:

  • enorme Reichweite
  • einfache technische Einbindung
  • hohe Verfügbarkeit und Performance über Googles Infrastruktur

Kritisch gesehen wird gelegentlich die Abhängigkeit von einem einzelnen großen Anbieter sowie die Tatsache, dass viele professionelle oder stark spezialisierte Schriften dort nicht verfügbar sind.

Weitere große Anbieter und die Marktkonzentration

Neben Monotype, Adobe Fonts und Google Fonts gibt es nur noch wenige wirklich große, eigenständige Akteure. Der Markt ist in den letzten 15–20 Jahren stark konsolidiert worden. Viele ehemals bekannte Namen und Plattformen gehören inzwischen zu Monotype.

Für Anwender bedeutet das: Die Auswahl an wirklich unabhängigen Großanbietern ist begrenzt. Wer Alternativen zu den großen Plattformen sucht, findet diese vor allem bei mittelgroßen und unabhängigen Foundries – also genau bei den Anbietern, denen wir uns im nächsten Teil dieser Serie widmen.

Was bedeutet das für Anwender?

Die großen Player bieten Bequemlichkeit, Reichweite und oft professionelle Lizenzmodelle. Gleichzeitig führt die Konzentration zu einer geringeren Vielfalt an unabhängigen Anbietern und kann die Marktbedingungen für kleinere Foundries erschweren.

Für die Praxis heißt das:

  • Für viele Standardanforderungen sind die großen Anbieter eine solide und rechtssichere Wahl.
  • Wer besondere gestalterische Qualität, Nischen-Schriften oder eine engere Zusammenarbeit mit den Designern sucht, wird häufig bei unabhängigen Foundries fündig.

Im nächsten Teil dieser Serie schauen wir uns genau diese unabhängigen Foundries genauer an.


Quellen

  • Unternehmensangaben und historische Überblicke zu Monotype, Adobe und Google Fonts
  • Fachbeiträge zur Konsolidierung der Schriftbranche
  • Standardwerke und Fachartikel zur digitalen Type-Foundry-Landschaft